Wer barfuß oder mit Flipflops Auto fahren darf und wer nicht

(verpd) Immer noch hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man nicht mit Clocks, High Heels, Flipflops oder auch ganz ohne Schuhe ein Auto fahren darf. Diese Vorgaben zum Schuhwerk gilt jedoch nur für eine eng begrenzte Personengruppe.

Insbesondere im Sommer kommt immer wieder die Frage auf, ob es für Autofahrer eine Vorschrift bezüglich des Schuhwerkes gibt. Denn vielen ist klar, dass das Fahren mit Sandalen, High Heels, Pantoletten, Flipflops, Clogs oder anderen an den Fersen offenen Schuhen ein erhöhtes Unfallrisiko darstellt.

Denn die Gefahr, dass man mit solchen Schuhen von den Pedalen rutscht, oder dass sich die Schuhe zwischen den Pedalen einklemmen, ist höher als bei einem festen Schuhwerk, das den gesamten Fuß umschließt. Und auch wer barfuß fährt, kann leichter von den Pedalen rutschen als mit festen Schuhen. Daher raten Verkehrssicherheits-Experten jedem beim Autofahren rutschsichere und feste Schuhe zu tragen. Allerdings, gibt es kein generelles Verbot, das Autofahrern das Tragen von keinen oder leichten Schuhen wie Flipflops untersagt.

Keine Schuhvorschriften für die Allgemeinheit

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) erklärt zudem, dass auch die Kfz-Haftpflichtversicherung unabhängig vom getragenen Schuhwerk den Schaden des Unfallgegners bezahlt – also auch, wenn der Unfall durch die Schuhe des Autofahrers verursacht wurde. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn dem Pkw-Fahrer die getragenen Flipflops vom Fuß rutschen und sich diese zwischen Gas- und Bremspedal verhaken und es deswegen zum Unfall kommt.

Wenn ein Kfz-Fahrer selbst einen Unfall grob fahrlässig verursacht, kann eine bestehende Vollkaskoversicherung unter Umständen den Schadenersatz für den Unfallschaden am eigenen Pkw ganz oder zum Teil verweigern. Nach Aussage des GDV bedeutet jedoch das Tragen bestimmter Schuhe beim Autofahren in den seltensten Fällen ein so schwerwiegendes Außer-Acht-Lassen der üblichen Sorgfalt, dass dies als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden könnte.

Berufskraftfahrern wird das Schuhwerk vorgeschrieben

Es gibt jedoch eine Personengruppe, die darauf achten muss, mit welchen Schuhen sie ein Fahrzeug fährt – die Berufskraftfahrer.

Berufskraftfahrer müssen nämlich die geltenden Unfallverhütungs-Vorschriften der Berufsgenossenschaften einhalten. Diese verpflichten Berufskraftfahrer, beim Fahren festes, den Fuß umschließendes Schuhwerk zu tragen.

Flugverspätung aufgrund eines Unwetters

(verpd) Kommt es zu einer erheblichen Verspätung, weil ein Flugzeug wegen eines Gewitters nicht auf dem Zielflughafen landen kann, so steht den Passagieren unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausgleichszahlung zu. Das geht aus einem Beschluss des Landgerichts Landshut hervor (Az.: 14 S 2813/18).

Ein Mann hatte einen Flug von Barcelona nach München gebucht. Dort konnte die Maschine bei ihrer Ankunft wegen eines heftigen Gewitters nicht landen. Sie wurde daher nach Nürnberg umgeleitet. Es kam zu einer Verspätung von mehr als drei Stunden. Diese resultierte neben der Umleitung auch daraus, dass das Flugzeug bereits in Barcelona mit einer zweistündigen Verspätung gestartet war.

Der Reisende forderte für die Verspätung vom durchführenden Luftfahrtunternehmen eine Ausgleichszahlung im Sinne der Europäischen Fluggastrechte-Verordnung. Dies wies die Fluggesellschaft als unbegründet zurück. Das Unternehmen begründete ihre Ablehnung damit, dass eine Flugverspätung, die infolge eines Gewitters entsteht, als außergewöhnlicher Umstand im Sinne der Verordnung anzusehen ist, der zu keiner Entschädigung verpflichtet.

Nicht beherrschbar …

Dem wollten die Landshuter Richter auch nicht widersprechen. Sie gaben der Klage des Reisenden dennoch statt. Nach Ansicht des Gerichts ist die Wetterlage zwar unstreitig nicht von den Luftfahrtunternehmen beherrschbar. Sie können sich daher – kommt es zu einer witterungsbedingten Flugverspätung – in der Regel auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen, der keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung auslöst.

In der entschiedenen Sache habe das Gewitter jedoch nur deswegen zu einer Verspätung geführt, weil das Flugzeug bereits deutlich später als ursprünglich geplant in Barcelona gestartet war. Wäre die Maschine hingegen planmäßig losgeflogen, so hätte sie noch vor Beginn des Unwetters in München landen und somit pünktlich ankommen können. Es liege folglich kein Fall eines außergewöhnlichen Umstandes vor. Die Fluggesellschaft wurde daher dazu verurteilt, dem Kläger eine Entschädigung im Sinne der Europäischen Fluggastrechte-Verordnung zu zahlen.

Tipp: Details zu den Fluggastrechten enthält das Webportal des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland. Wer eine Privatrechtsschutz-Police hat, in der auch Vertragsstreitigkeiten mitversichert sind, kann übrigens ohne finanzielles Risiko auch als Reisender sein Recht notfalls vor Gericht durchsetzen. Denn der Rechtsschutzversicherer übernimmt die Anwalts- und Prozesskosten für derartige Streitigkeiten, wenn Aussicht auf Erfolg besteht und vorab eine Leistungszusage vom Versicherer erteilt wurde, und zwar auch dann, wenn man den Gerichtsprozess verliert.

Blow-ups und Hitzeschäden am Auto

(verpd) Steigt die Außentemperatur über 30 Grad Celsius, muss man mit Schäden am Straßenbelag, den sogenannten Blow-Ups zu rechnen. Was ein Kfz-Fahrer unternehmen sollte, wenn er solche Schäden entdeckt und wer die Unfallschäden übernimmt, die durch diese Blow-ups entstehen können.

Bei Außentemperaturen jenseits der 30 Grad Celsius kann es zu gefährlichen Straßenschäden in Form von sogenannten Blow-ups kommen. Hierbei dehnt sich ein Straßenbelag aus Beton durch die Hitze übermäßig aus und bricht plötzlich auf. Bei Autobahnen aus Asphalt kommen laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) solche schweren Hitzeschäden seltener vor.

Etwa 30 Prozent der Autobahnen bestehen aus Beton und gelten daher als besonders gefährdet für Blow-ups an heißen Tagen. Bei hohen Geschwindigkeiten können derartige Straßenschäden für Pkws und Krafträder unter anderem wie eine Sprungschanze wirken und erhöhen damit die Unfallgefahr deutlich.

Vorbeugende Tempolimits möglich

Bei längeren Hitzewellen wird daher häufig provisorisch auf gefährdeten Strecken ein Tempolimit auf 80 oder 120 Stundenkilometer verhängt, um das Unfallrisiko, das durch plötzlich auftretende Straßenschäden entstehen kann, zu minimieren.

Unter anderem wurden laut GDV in diesem Jahr zum Beispiel in Sachsen-Anhalt auf gefährdeten Autobahnabschnitten der A9 und der A38 entsprechende Tempolimits verhängt. Auch in anderen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg kann es zum Beispiel auf bestimmten Autobahnstrecken der A7, A9 und A81 zu solchen Straßenschäden kommen.

Vorausschauend fahren und neue Blow-ups sofort melden

Wer bei hohen Außentemperaturen auf Autobahnen unterwegs ist, sollte daher vorausschauend fahren und genügend Abstand zum vorausfahrenden Verkehrsteilnehmer haben. Zudem ist es wichtig, sich unbedingt an das vorgegebene Tempolimit zu halten. Grundsätzlich raten Verkehrsexperten, insbesondere an heißen Tagen den Verkehrsfunk zu beachten.

Entdeckt man schwere Hitzeschäden am Straßenbelag wie Blow-ups und gibt es diesbezüglich noch keine Warnung oder keine Vorsichtsmaßnahmen wie ein Tempolimit, ist es wichtig, umgehend die Polizei (Notruf 110) zu informieren. Denn dann wird in der Regel der betroffene Straßenabschnitt gesperrt oder zumindest ein Tempolimit verhängt, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht zu Schaden kommen.

Welche Versicherungspolice bei Schäden durch Blow-ups zahlt

Wie der GDV betont, übernimmt eine bestehende Vollkaskoversicherung die Schäden am eigenen Auto, die durch Blow-ups entstanden sind, beispielsweise, wenn man deswegen einen Unfall mit dem Pkw hatte. Kommt es infolge von Straßenschäden zu einem Bruch einer oder mehrerer Glasscheiben am Auto, zahlt dafür auch eine bestehende Teilkaskoversicherung. Übrigens, selbst wenn eine Autoglasscheibe nur infolge hoher Hitze reißt, also auch wenn kein Unfall oder Steinschlag die Glasbruchursache war, springt die Teilkaskoversicherung ein.

Theoretisch kann bei Straßenschäden auch der Straßenbaulastträger, also derjenige, der für den Unterhalt und die Sicherheit der betreffenden Straße verantwortlich ist – bei Autobahnen ist das meist der Bund beziehungsweise die jeweilige Autobahn- oder Straßenmeisterei – haftbar sein. Im Einzelfall muss dazu jedoch nachgewiesen werden, dass der Straßenbaulastträger seine Verkehrssicherungs-Pflicht verletzt hat. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn er trotz ihm bekannter Straßenschäden dort keine Warnschilder aufgestellt oder kein Tempolimit angeordnet hätte.

Gute Renditen bei der Riester-Rente

(verpd) Der Staat fördert Riester-Verträge, eine Form der privaten Altersvorsorge, mit Zulagen und Steuervorteilen. Mittlerweile hat rund jeder fünfte Bürger hierzulande einen solchen Riester-Vertrag abgeschlossen. Ein Institut für Altersvorsorge und Finanzplanung kommt im Rahmen einer aktuellen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Riester-Rente trotz niedriger Zinsen auch eine hohe Rendite ausweist.

Hinsichtlich der Rentabilität und der Verbreitung sei die Riester-Rente ein Erfolg. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die von einer Fondsgesellschaft gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) in Auftrag gegeben und vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung GmbH (IVFP) erstellt wurde.

Die Wissenschaftler des IVFP legten unter anderem für die Studie empirische Ergebnisse zur Verbreitung und Rentabilität von Riester-Verträgen vor.

Jeder Fünfte hat einen Riester-Vertrag

Aktuell existierten nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) knapp 16,6 Millionen Riester-Verträge, das heißt von den rund 83,0 Millionen Einwohner hierzulande hat etwa jeder fünfte Bürger einen solchen Vertrag. Das hebt nach Angaben der Studienautoren die Bedeutung dieser Form der Altersvorsorge hervor.

„Nachweislich hat die Riester-Rente das Bewusstsein in der Bevölkerung gestärkt, dass eine zusätzliche private Vorsorge unabdingbar ist“, betonten die IVFP-Wissenschaftler.

Die Wissenschaftler kommen in der Studie auch zu dem Ergebnis, dass die Riester-Rente alle Bevölkerungsgruppen, insbesondere auch niedrige und mittlere Einkommensgruppen erreicht. So hat mehr als die Hälfte derjenigen, die einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, ein Jahreseinkommen von unter 30.000 Euro.

Riester-Rente liefert gute Renditen

Aus der anonymisierten Auswertung von rund 23.500 Riester-Versicherungen und Riester-Fondsparplänen ermittelte das IVFP für das Jahr 2018 eine durchschnittliche Nettorendite von 3,4 Prozent, also unter Berücksichtigung der Kosten, der Förderung und Besteuerung. Auch in den letzten drei Jahren zuvor betrug die jährliche Nettorendite zwischen 3,0 und 3,5 Prozent.

Zum Vergleich: Die Geldanlage auf dem Sparbuch oder einem Tagesgeldkonto hatte in den vergangenen drei Jahren in der Regel eine jährliche Rendite von deutlich unter einem Prozent. Selbst die Jahresrendite einer 30-jährigen Bundesanleihe lag seit 2015 weit unter 1,5 Prozent. „Die Riester-Rente liefert gute Renditen und ist weiter verbreitet als andere Vorsorgeformen“, betonte Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP, bei der Präsentation der Studie.

Wer wissen möchte, wie hoch sein eigenes Alterseinkommen unter Einbeziehung der gesetzlichen und eventuell bereits vorhandenen privaten Altersvorsorge sein wird und ob diese zum Erhalt des bisherigen Lebensstandards ausreicht, kann sich von einem Versicherungsexperten beraten lassen. Der Experte kann nicht nur entsprechende Berechnungen durchführen, sondern im Falle einer Einkommenslücke im Alter auch individuell passende private Absicherungslösungen vorschlagen und beispielsweise über die Riester-Rente und andere geförderte Altersvorsorgeformen beraten.

Immer mehr schützen sich vor den Kosten im Pflegefall

Close-up of senior female hand in that of her husband

(verpd) Wer für sich und seine Angehörigen im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit finanzielle Probleme vermeiden will, kann mit einer privaten Pflegezusatz-Versicherung vorsorgen. Schon seit einigen Jahren nutzen immer mehr Bürger diese Form der Absicherung. Auch der Staat unterstützt die private Pflegevorsorge mit Geldzuschüssen – und das aus gutem Grund, denn die gesetzliche Pflegeversicherung bietet nur eine Teilabsicherung bezüglich der tatsächlich anfallenden Pflegekosten, wenn jemand pflegebedürftig ist.

Seit 1995 muss jeder Bürger hierzulande gesetzlich pflegeversichert sein. Jeder gesetzlich Krankenversicherte ist dementsprechend automatisch in der sozialen Pflegeversicherung, deren Träger die gesetzlichen Krankenkassen sind. Jeder privat Krankenversicherte muss in der privaten Pflege-Pflichtversicherung (PPV), die durch private Krankenversicherer angeboten wird, abgesichert sein. In beiden Fällen gilt der gleiche vorgeschriebene Mindestversicherungs-Umfang.

Allerdings übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung alleine bei Weitem nicht alle anfallenden Kosten für die Pflege. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) betont diesbezüglich im Webauftritt, dass den Rest der Kosten die Pflegebedürftigen oder ihre Familien selbst zu tragen haben. „Die Pflegeversicherung wird deshalb auch als Teilkostenversicherung bezeichnet“, wie das BMG weiter ausführt.

Gegen das Kostenrisiko im Pflegefall

Wer sich und seine Familie vor diesem Kostenrisiko schützen will, kann mit einer privaten Pflegezusatz-Versicherung, die von diversen privaten Krankenversicherern angeboten werden, entsprechend vorsorgen. Diese Pflegezusatz-Versicherungen gibt es in unterschiedlichen Varianten.

Eine private Pflegekosten-Police übernimmt zum Beispiel nach Vorleistung durch die gesetzliche Pflegeversicherung je nach Vereinbarung die verbleibenden Kosten ganz oder teilweise. Eine Pflegetagegeld-Versicherung zahlt dagegen unabhängig von den tatsächlichen Kosten nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit einen in der Police vereinbarten Geldbetrag je Tag beziehungsweise eine im Vertrag festgelegte monatliche Rente.

Eine weitere Variante ist die private Pflegezusatz-Versicherung, die der Staat mit Prämienzuschüssen fördert. Jeder gesetzlich pflegeversicherte Erwachsene, der noch keine Pflegeleistung von der sozialen Pflege- beziehungsweise gesetzlichen Pflegepflicht-Versicherung erhält oder erhalten hat, kann seit 2013 eine staatlich geförderte Pflegezusatz-Versicherung (GEPV) abschließen.

Staatlich geförderte Pflegezusatz-Policen …

Damit eine Pflegezusatz-Versicherung staatlich gefördert wird, muss sie einen bestimmten Versicherungsumfang haben. So muss eine solche Police bereits ab einer Pflegeeinstufung in Pflegegrad 1 eine Leistung vorsehen und ab Pflegegrad 5 mindestens 600 Euro Pflegegeld pro Monat an den pflegebedürftigen Versicherten auszahlen.

Staatlich gefördert wird ein solcher Vertrag mit einem Prämienzuschuss von fünf Euro im Monat, sofern der Versicherungsnehmer einen Eigenbeitrag von mindestens zehn Euro monatlich selbst bezahlt. Jedem Förderberechtigten wird also automatisch eine staatliche Zulage von jährlich 60 Euro geschenkt, wenn er selbst 120 Euro und damit insgesamt 180 Euro im Jahr, für eine entsprechend staatlich geförderte Pflegezusatz-Police aufwendet.

Bei der Ermittlung der Höhe der Versicherungsprämie werden nur das Eintrittsalter der zu versichernden Person bei Vertragsabschluss und der vertraglich vereinbarte Leistungsumfang berücksichtigt. Weder Gesundheitszustand der versicherten Person noch das Geschlecht spielen dabei eine Rolle. Eine Gesundheitsprüfung ist also beim Abschluss einer staatlich geförderten Pflegezusatz-Versicherung nicht erforderlich, das heißt, auch wer Vorerkrankungen oder chronische Leiden hat, muss weder Risikozuschläge noch Leistungsausschlüsse fürchten.

… wurden letztes Jahr besonders oft abgeschlossen

Nach einer aktuellen Statistik des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) gab es bis Ende 2018 rund 3,66 Millionen private Pflegezusatz-Versicherungsverträge und damit 2,3 Prozent mehr als noch Ende 2017. Von allen privaten Pflegezusatz-Policen waren über 878.000 Policen staatlich geförderte Pflegezusatz-Versicherungen. Die Anzahl dieser Policen ist von 2017 auf 2018 sogar um 5,3 Prozent gestiegen.

Doch auch die Anzahl der sonstigen Pflegezusatz-Versicherungen ist letztes Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent angewachsen. Prinzipiell empfiehlt es sich, bereits so früh wie möglich eine zusätzliche Pflegevorsorge aufzubauen, denn je jünger man beim Abschluss einer Pflegezusatz-Versicherung ist, desto mehr Leistung gibt es für die Prämie.

Ein staatlich geförderter Pflegezusatzvertrag kann sich zudem nicht nur, aber besonders auch für Personen mit Vorerkrankungen lohnen, da hier der Gesundheitszustand keine Rolle bei der Prämienhöhe spielt. Bei einem Beratungsgespräch kann ein Versicherungsexperte nicht nur klären, welche Absicherung im Pflegefall bereits vorhanden ist, sondern auch, wie sich mögliche Kostenrisiken am besten absichern lassen.

Naturgefahren: Unwissenheit schützt vor Gebäudeschaden nicht

(verpd) Hierzulande ist die Mehrheit der bestehenden Gebäude noch nicht gegen zahlreiche Naturgefahren versichert. Und das, obwohl es auch in der jüngsten Vergangenheit immer wieder durch Starkregen oder Schneelast zu teils dramatischen Schäden an Häusern gekommen ist, wie unter anderem zahlreiche Medienberichte belegen. Eine Befragung zeigt, dass sich viele Hausbesitzer fälschlicherweise in Sicherheit wiegen und daher auf eine entsprechende Absicherung verzichten.

64 Prozent der Hausbesitzer haben das Gefühl, ausreichend gegen erweiterte Naturgefahren wie Starkregen, Überschwemmungen oder Erdrutsch abgesichert zu sein. Die Realität sieht laut Experten jedoch anders aus: Nur 33 Prozent verfügen wirklich über den passenden Schutz.

Das belegt eine Online-Umfrage, die die Yougov Deutschland GmbH im Auftrag eines Versicherers vor Kurzem durchgeführt hat. An der Befragung nahmen über 2.000 Erwachsene teil.

Falsche Annahmen

Ein Drittel der Hausbesitzer, die keine erweiterte Naturgefahren-Versicherung abgeschlossen haben, waren der Ansicht, dass für ihre Immobilien kein Risiko bestehe. Doch während das Risiko von Flusshochwasser betroffen zu werden hauptsächlich nur in Flussnähe gegeben ist, kann eine Überschwemmung durch Starkregen jeden treffen, wie auch Schadenereignisse in der jüngsten Vergangenheit belegen.

Zudem gab rund jeder siebte Hausbesitzer, der keine Naturgefahren-Versicherung für sein Haus hat, an, diese Absicherungs-Möglichkeit nicht zu kennen – bei den befragten bis 29-Jährigen erklärte dies sogar jeder vierte. Viele Hausbesitzer gehen zudem immer noch fälschlicherweise davon aus, dass auch Schäden durch Starkregen, Schneelast, Erdbeben oder sonstige Naturgefahren automatisch in einer bestehenden Gebäudeversicherung mitversichert sind.

Absicherung von Starkregen und anderen Naturrisiken

Grundsätzlich ist es jedoch so, dass in vielen Wohngebäude-Policen zwar Schäden durch Brand, Blitzschlag, Sturm ab Windstärke acht, Hagel und bestimmungswidrig ausgetretenes Leitungswasser versichert sind.

Weitere Naturgefahren sind jedoch nicht automatisch versichert, sondern können üblicherweise nur gegen einen Aufpreis in den Versicherungsvertrag miteingeschlossen werden. Eine solche Zusatzabsicherung, auch Elementarschaden-Versicherung genannt, leistet bei Schäden durch Naturrisiken wie beispielsweise Überschwemmungen aufgrund von Hochwasser und Starkregen, Schneelast, Lawinen, Erdbeben, Erdfall, Erdrutsch und Vulkanausbruch.

Lebenserwartung: Wer viel arbeitet, stirbt früher

(verpd) Die Qualität der Erwerbstätigkeit wirkt bis in den Ruhestand hinein und bestimmt letztendlich, wie alt Menschen werden. Den Einfluss diverser, sozioökonomischer Unterschiede auf die Lebenserwartung zeigt jetzt eine wissenschaftliche Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation auf.

Wie die Lebenserwartung ab 65 Jahren mit dem Arbeitsleben und mit sozialen Unterschieden zusammenhängt, untersuchte das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg Essen (UDE). In die Analyse gingen nach Angaben der Autoren fast 4.000 Personen ein, die zwischen 1985 und 2016 66 Jahre alt geworden sind, also Personen der Geburtsjahrgänge zwischen 1919 und 1950. Somit lagen auch von den jüngsten in der Studie berücksichtigten Personen die Daten von einem Jahr den Wissenschaftlern zur Auswertung vor.

Laut IAQ sind von den in der Studie berücksichtigten Personen bis Studienende 687 Personen verstorben. Eine der Haupterkenntnisse der Studie „IAQ-Report“ war, dass die Belastungen während des Arbeitslebens und die Anzahl der Berufsjahre langfristig die Lebenserwartung beeinflussen. Zudem stellten die Wissenschaftler fest, wer sehr hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt war, stirbt früher. Insgesamt zeigt die Studie, dass mit besseren Arbeitsbedingungen und höherem Einkommen die Aussichten auf ein langes Leben steigen.

Lebenserwartung steigt

Auch andere Statistiken zeigen, dass in Deutschland die Lebenserwartung seit Langem steigt. Die Hälfte der 1960 Geborenen wird, sofern sie den 65. Geburtstag überschritten hat, voraussichtlich 86 Jahre (Männer) oder 90 Jahre (Frauen) alt werden.

Die Generation zuvor lebte noch fünf Jahre kürzer, so die Autoren des IAQ-Reports. Auch nach neuen Berechnungen des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) wird die Lebenserwartung in Deutschland weiter zunehmen. Von den neugeborenen Mädchen haben 37 Prozent die Chance, 100 Jahre alt zu werden, sofern der Trend der letzten Jahrzehnte anhält.

Arbeit, Einkommen, Bildung bestimmen Mortalitätsrisiko

Diverse Studien weisen darüber hinaus auf den Einfluss sozioökonomischer Unterschiede hin. So haben Personen in überdurchschnittlichen Einkommenspositionen eine höhere künftige Lebenserwartung als Personen in unterdurchschnittlichen Einkommenspositionen. Auch bei einem höheren Bildungsniveau zeigt sich ein niedrigeres Mortalitätsrisiko (Sterberisiko), so die Autoren des IAQ-Reports.

Dass die Höhe des Einkommens Einfluss auf die Lebenserwartung hat, belegen auch andere Auswertungen. Eine Studie zeigt zum Beispiel, wer viel Rente bekommt, lebt auch länger. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat beispielhaft den Zusammenhang von Lohnhöhe als Arbeitnehmer und Lebenserwartung als Rentner untersucht. Die Wissenschaftler sehen hier eine enorme Schieflage. Besserverdiener haben laut DIW nicht nur eine höhere Lebenserwartung, sondern auch einen längeren Rentenbezug.

Arbeitsleben wirkt über Renteneintritt hinaus

Der IAQ-Report unterstreicht zudem, dass es einen Zusammenhang zwischen der künftigen Lebenserwartung ab 65 Jahren und den Arbeitsbelastungen in der Erwerbsphase, also vor dem Rentenalter gibt. „Sie ist niedriger bei sehr hohen Arbeitsbelastungen und höher bei niedrigen Arbeitsbelastungen während der Erwerbsphase“, so die IAQ-Wissenschaftler.

Hinsichtlich der Erwerbstätigkeit vermuten die Autoren, dass hohe körperliche und psychische Belastungen gesundheitliche Einschränkungen hervorrufen, die das Mortalitätsrisiko erhöhen. Nach den vorgelegten Ergebnissen der Auswertung haben Personen jenseits des 65. Lebensjahres, die sehr hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt waren, ein deutlich höheres Mortalitätsrisiko als Personen mit sehr niedrigen Arbeitsbelastungen.

Robuste Faktoren

„Die Wirkungen der Arbeitsbelastungen scheinen also auch über die Erwerbsphase hinaus fortzuwirken“, heißt es in den Studienunterlagen. Diese Wirkung der Erwerbstätigkeit bleibe auch unter Kontrolle zahlreicher weiterer Merkmale erhalten.

Zu diesen Effekten zählen die Wissenschaftler Faktoren wie Arbeitsbelastungen, Jahre in der Erwerbstätigkeit und die Dauer der Erwerbstätigkeit vor Rentenbezug. Als sogenannte „robuste Effekte“ nennen die Autoren das Geschlecht – Frauen haben ein niedrigeres Mortalitätsrisiko als Männer – und den selbst eingeschätzten oder überschätzten Gesundheitszustand.

Gesetzliche Krankenkasse knausert bei Rauchern

Cannabis rauchen

(verpd) Die gesetzlichen Krankenversicherer sind nicht dazu verpflichtet, die Kosten für ein Arzneimittel zur Raucherentwöhnung zu übernehmen. Das hat der Erste Senat des Bundessozialgerichts mit einem vor Kurzem getroffenen Urteil entschieden (Az.: B 1 KR 25/18 R).

Eine Frau, die unter anderem unter einer chronischen Lungenerkrankung litt, hatte von ihrer Krankenkasse, einem Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, zwar die Übernahme der Kosten für eine Patientenschulung zur Raucherentwöhnung in Höhe von bis zu 255 Euro bewilligt bekommen.

Die Krankenkasse lehnte es jedoch ab, die Kosten für ein Medikament zur Behandlung ihrer Nikotinsucht zu übernehmen. Auch eine Zusage für eine Raucherentwöhnungs-Therapie für die Zukunft wollte ihre Krankenkasse nicht erteilen. Die Frau war mit den Ablehnungen jedoch nicht einverstanden und verklagte die Krankenkasse.

Erfolgloser Weg durch die Instanzen

Das in erster Instanz mit dem Fall befasste Sozialgericht Schleswig (Az.: S 10 KR 243/12) gab jedoch der Krankenkasse recht. Ebenso entschied das Landessozialgericht Schleswig-Holstein (Az.: L 5 KR 62/15). Vor dem Bundessozialgericht reichte die Klägerin daraufhin Revision ein. Damit hatte sie ebenfalls keinen Erfolg.

Ihre Entscheidung begründeten die Richter damit, dass es nach der Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) keinen Anspruch auf die Übernahme der Kosten für eine Verhaltenstherapie zur Raucherentwöhnung gibt. Ein Anspruch, dass die Ausgaben für ein Medikament zur Behandlung einer Nikotinsucht übernommen werden, scheide ebenfalls aus. Denn das sei verfassungskonform kraft Gesetz aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen.

Der Grund dafür sei, dass man nach der Einschätzung des Gesetzgebers das Behandlungsziel auch durch nicht medikamentöse Maßnahmen erreichen könne. Generell gilt: Die Kosten für Leistungen, die nicht im genannten Leistungskatalog enthalten sind, werden in der Regel auch nicht von den Krankenkassen übernommen, es sei denn die jeweilige Krankenkasse bewilligt diese Kosten aufgrund ihrer Satzung oder aus Kulanzgründen.

Erwerbsminderungsrente: Im Schnitt unter 800 Euro

(verpd) Laut einer aktuellen Statistik der Deutschen Rentenversicherung haben letztes Jahr über 1,82 Millionen Bürger eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente aufgrund eines dauerhaften Leidens erhalten. Die durchschnittliche Rentenhöhe von allen Beziehern einer Erwerbsminderungsrente lag bei unter 800 Euro. Diejenigen, die erstmals in 2018 eine solche Rente ausbezahlt bekamen, hatten sogar eine noch deutlich niedrigere Rentenhöhe. Im Schnitt waren diejenigen, denen letztes Jahr eine solche Rente neu zugesprochen wurde, 52 Jahre alt.

Wer aufgrund eines psychischen oder physischen Leidens auf Dauer nicht oder weniger als sechs Stunden am Tag erwerbstätig sein kann, hat, sofern er die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente.

Insgesamt haben nach Angaben von Statistiken der Deutschen Rentenversicherung (DRV) letztes Jahr mehr als 1,82 Millionen Bürger eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente erhalten. Die durchschnittliche monatliche Rentenhöhe je Rentenbezieher betrug in 2018 rund 795 Euro.

Verschiedene Arten der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente

Es gibt folgende drei verschiedene gesetzliche Erwerbsminderungsrenten-Arten: Eine volle Erwerbsminderungsrente erhält, wer aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft weniger als drei Stunden, und eine Rente bei teilweiser Erwerbsminderung, wer mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden am Tag irgendeiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Die Rente bei teilweiser Erwerbsminderung ist halb so hoch wie die volle Erwerbsminderungsrente. Außerdem gibt es noch eine spezielle Erwerbsminderungsrente für Bergleute.

Um grundsätzlich die versicherungs-rechtlichen Anforderungen für eine Erwerbsminderungsrente zu erfüllen, muss ein Betroffener vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens die allgemeine fünfjährige Wartezeit in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen können.

Außerdem muss er, bis auf wenige Ausnahmen, in den letzten fünf Jahren vor der Erwerbsminderung wenigstens für drei Jahre Pflichtversicherungs-Beiträge für eine im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit entrichtet haben.

1,82 Millionen Erwerbsminderungsrenten-Bezieher

Von den 1,82 Millionen Erwerbsminderungsrenten-Beziehern erhielten 2018 fast 1,72 Millionen Personen eine volle Erwerbsminderungsrente. Die Rentenhöhe pro Rentenbezieher betrug im Schnitt knapp 812 Euro.

Fast 97.100 Personen wurde letztes Jahr eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung ausbezahlt. Deren durchschnittliche Rentenhöhe lag bei 528 Euro. Insgesamt bekamen zudem etwas mehr als 9.900 Personen eine Erwerbsminderungsrente für Bergleute mit einer durchschnittlichen Rentenhöhe von 533 Euro.

Der Unterschied der Rentenhöhe zwischen den männlichen und weiblichen Beziehern einer vollen Erwerbsminderungsrente war nur geringfügig – Männer erhielten im Schnitt 811 Euro und Frauen knapp 813 Euro. Anders dagegen bei den Beziehern einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung – hier erhielten die männlichen Rentenbezieher im Schnitt fast 570 Euro und die weiblichen Rentenbezieher nur 485 Euro.

Fast 168.000 neue Erwerbsminderungs-Rentner in 2018

Seit dem Jahr 2010 gab es jährlich etwa zwischen 166.000 und 183.000 Personen, die eine Erwerbsminderungsrente neu zugesprochen bekommen haben. In 2018 erhielten knapp 168.000 Personen zum ersten Mal eine entsprechende Rente. Das Renteneintrittsalter bei der Erwerbsminderungsrente lag letztes Jahr bei den Neurentnern im Schnitt bei 52 Jahren. Die Höhe der Erwerbsminderungsrente bei den Neurentnern betrug durchschnittlich weniger als 735 Euro im Monat und lag damit etwa 60 Euro unter der Höhe der Erwerbsminderungsrente insgesamt.

Im Detail bekamen fast 146.900 Personen letztes Jahr erstmalig eine volle Erwerbsminderungsrente und knapp 20.100 Personen eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Und auch hier lag die durchschnittliche Rentenhöhe eines Neurentners deutlich unter der von allen Rentenbeziehern einer vollen oder teilweisen Erwerbsminderungsrente. Bei den Neurentnern betrug die Rentenhöhe bei einer vollen Erwerbsminderungsrente 776 Euro und die bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung 439 Euro.

Bei den weiblichen Neurentnern lag die durchschnittliche Höhe einer vollen Erwerbsminderungsrente bei knapp 761 Euro und bei den männlichen Neurentnern bei 792 Euro. Bei den Neurentnern mit einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung erhielten die Frauen im Schnitt 414 Euro und die Männer fast 471 Euro.

Einkommenslücken trotz gesetzlicher Absicherung

Übrigens, das durchschnittliche Bruttoeinkommen eines rentenversicherten Arbeitnehmers lag laut DRV letztes Jahr bei rund 3.156 Euro. Vergleicht man dazu die durchschnittlichen Rentenhöhen für eine volle oder teilweise Erwerbsminderung, zeigt sich, dass die Einkommenslücken erheblich sind.

Viele Personen wie Selbstständige, Hausfrauen und -männer sowie Kinder haben, bis auf wenige Ausnahmen, in der Regel keinen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Auch eine gesetzliche Berufsunfähigkeits-Rente gibt es für alle, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, nicht mehr. Allerdings lassen sich mit privaten Versicherungslösungen wie einer privaten Erwerbs- und/oder Berufsunfähigkeits-Versicherung die drohenden Einkommensausfälle aufgrund einer Berufs- oder Erwerbsminderung absichern.

Detaillierte Informationen zum Anspruch und zur Berechnung der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente enthält die vor Kurzem aktualisierte und kostenlos herunterladbare DRV-Broschüre „Erwerbsminderungsrente: Das Netz für alle Fälle“.

Ein Verkehrsunfall mit zwei Unfallverursachern

(verpd) Kollidiert ein auf ein Grundstück abbiegender Autofahrer aus Unachtsamkeit mit einem Motorradfahrer, kann ihn auch dann das überwiegende Verschulden an dem Unfall treffen, wenn der Zweiradfahrer deutlich zu schnell unterwegs war. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Hamburg hervor (Az.: 306 O 15/18).

Ein Motorradfahrer hatte bei Dunkelheit und Rotlicht an einer Ampel gehalten. Beim Losfahren auf der mehrspurigen Straße beschleunigte er sein Krad auf mindestens 70 Stundenkilometer. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit lag allerdings bei 50 Stundenkilometern. Das hatte tragische Folgen. Denn nur wenige Hundert Meter weiter kollidierte er mit einem Pkw, der aus dem Gegenverkehr links auf ein Tankstellengelände abbog. Bei dem Unfall erlitt der Kradfahrer so schwere Verletzungen, dass mit gesundheitlichen Spätschäden zu rechnen ist.

Die Krankenkasse des Verletzten hielt ganz überwiegend den Autofahrer für den Unfall verantwortlich. Sie stellte daher der Kfz-Haftpflichtversicherung, bei dem der Unfall-Pkw versichert ist, eine Regressforderung für die unfallbedingten Heilbehandlungs- sowie sonstigen Kranken- und Pflegekosten, die die Kasse bezahlt hat. Der Kfz-Haftpflichtversicherer ging jedoch davon aus, dass auch den Kradfahrer ein Verschulden trifft und schlug eine Schadenteilung vor. Der Kfz-Versicherer wollte sich dementsprechend nur zur Hälfte an den Aufwendungen der Krankenkasse beteiligen.

Verletzung der Sorgfaltspflichten

Dem wollte sich das Hamburger Landgericht nicht anschließen. Es verurteilte den Kfz-Haftpflichtversicherer des Autofahrers dazu, sich mit einer Quote von insgesamt 70 Prozent an den Aufwendungen des Krankenversicherers zu beteiligen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der Unfall in einem unmittelbaren zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit dem Abbiegemanöver des Autofahrers ereignet hat.

Der Beweis des ersten Anscheins spreche daher dafür, dass er die ihm obliegenden Sorgfaltspflichten gemäß Paragraf 9 Absatz 5 StVO (Straßenverkehrsordnung) nicht beachtet hat. Denn danach müsse sich ein Fahrzeugführer beim Abbiegen in ein Grundstück, beim Wenden und beim Rückwärtsfahren so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.

Höheres Verschulden

Wäre der Zweiradfahrer nicht schneller als die am Unfallort erlaubten 50 Stundenkilometer gefahren, hätte er den Unfall nach Überzeugung der Richter allerdings vermeiden können. Jedoch wiege das Verschulden des Autofahrers deutlich höher als das des Verletzten.

„Denn eine Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometer im Stadtverkehr ist dabei – noch dazu auf dreispurig ausgebauter, zum Unfallzeitpunkt offenkundig für den Versicherten freien Fahrbahn – noch nicht als grob rücksichtslos einzustufen und im Gegenteil ein Verhalten, das, wenngleich verkehrsregelwidrig, für andere Verkehrsteilnehmer in der Regel – im Gegensatz zum Einfahren in ein Grundstück – nicht überraschend passiert“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Auswirkungen einer Teilschuld auf die Kfz-Versicherung

Generell gilt bei einer Mitschuld an einem Unfall: Je nachdem wie hoch der Anteil der (Teil-)Schuld ist, den ein Unfallbeteiligter am Unfall hat, übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Kraftfahrzeugs, mit dem der Unfallbeteiligte den Unfall mitverursacht hat, die Schadenhöhe des Unfallgegners anteilig. Wenn der eigene Kfz-Versicherer einen gegnerischen Schaden ganz oder auch nur teilweise zahlen muss, kommt es auch bei der Kfz-Haftpflichtversicherung zu einer Schlechterstellung des Schadenfreiheitsrabatts (SF-Klasse) und damit zu einer höheren Prämie im nächsten Jahr.

Ein Unfallverursacher, der allein für einen Unfall verantwortlich ist, bleibt komplett auf seinen eigenen Schadenkosten, die an seinem Kfz bei dem Unfall entstanden sind, sitzen. Doch auch wer als Unfallbeteiligter eine Teilschuld am Unfall hat, erhält die Reparaturkosten seines Fahrzeugs nur teilweise (anteilig) bezahlt und muss die restlichen Kosten selbst bezahlen.

Kostenschutz durch die Vollkaskoversicherung

In beiden Fällen hilft jedoch eine bestehende Vollkaskoversicherung weiter. Sie leistet nämlich unter anderem für Unfallschäden am Fahrzeug, für die kein anderer die Haftung übernehmen muss. Allerdings kommt es dann auch zu einer Höherstufung des Schadenfreiheitsrabatts in der Vollkaskoversicherung und damit zu einer Verteuerung der künftigen Prämien.

Ob es sich im Schadenfall letztendlich auf Dauer auszahlt, den eigenen Schaden selbst zu übernehmen oder doch von der Vollkaskoversicherung begleichen zu lassen, hängt von der Schadenhöhe und der nach einer Höherstufung zu entrichtenden Prämienhöhe ab. Eine Antwort darauf gibt der Kaskoversicherer beziehungsweise der Versicherungsvermittler.