Lebenserwartung: Wer viel arbeitet, stirbt früher

(verpd) Die Qualität der Erwerbstätigkeit wirkt bis in den Ruhestand hinein und bestimmt letztendlich, wie alt Menschen werden. Den Einfluss diverser, sozioökonomischer Unterschiede auf die Lebenserwartung zeigt jetzt eine wissenschaftliche Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation auf.

Wie die Lebenserwartung ab 65 Jahren mit dem Arbeitsleben und mit sozialen Unterschieden zusammenhängt, untersuchte das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg Essen (UDE). In die Analyse gingen nach Angaben der Autoren fast 4.000 Personen ein, die zwischen 1985 und 2016 66 Jahre alt geworden sind, also Personen der Geburtsjahrgänge zwischen 1919 und 1950. Somit lagen auch von den jüngsten in der Studie berücksichtigten Personen die Daten von einem Jahr den Wissenschaftlern zur Auswertung vor.

Laut IAQ sind von den in der Studie berücksichtigten Personen bis Studienende 687 Personen verstorben. Eine der Haupterkenntnisse der Studie „IAQ-Report“ war, dass die Belastungen während des Arbeitslebens und die Anzahl der Berufsjahre langfristig die Lebenserwartung beeinflussen. Zudem stellten die Wissenschaftler fest, wer sehr hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt war, stirbt früher. Insgesamt zeigt die Studie, dass mit besseren Arbeitsbedingungen und höherem Einkommen die Aussichten auf ein langes Leben steigen.

Lebenserwartung steigt

Auch andere Statistiken zeigen, dass in Deutschland die Lebenserwartung seit Langem steigt. Die Hälfte der 1960 Geborenen wird, sofern sie den 65. Geburtstag überschritten hat, voraussichtlich 86 Jahre (Männer) oder 90 Jahre (Frauen) alt werden.

Die Generation zuvor lebte noch fünf Jahre kürzer, so die Autoren des IAQ-Reports. Auch nach neuen Berechnungen des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) wird die Lebenserwartung in Deutschland weiter zunehmen. Von den neugeborenen Mädchen haben 37 Prozent die Chance, 100 Jahre alt zu werden, sofern der Trend der letzten Jahrzehnte anhält.

Arbeit, Einkommen, Bildung bestimmen Mortalitätsrisiko

Diverse Studien weisen darüber hinaus auf den Einfluss sozioökonomischer Unterschiede hin. So haben Personen in überdurchschnittlichen Einkommenspositionen eine höhere künftige Lebenserwartung als Personen in unterdurchschnittlichen Einkommenspositionen. Auch bei einem höheren Bildungsniveau zeigt sich ein niedrigeres Mortalitätsrisiko (Sterberisiko), so die Autoren des IAQ-Reports.

Dass die Höhe des Einkommens Einfluss auf die Lebenserwartung hat, belegen auch andere Auswertungen. Eine Studie zeigt zum Beispiel, wer viel Rente bekommt, lebt auch länger. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat beispielhaft den Zusammenhang von Lohnhöhe als Arbeitnehmer und Lebenserwartung als Rentner untersucht. Die Wissenschaftler sehen hier eine enorme Schieflage. Besserverdiener haben laut DIW nicht nur eine höhere Lebenserwartung, sondern auch einen längeren Rentenbezug.

Arbeitsleben wirkt über Renteneintritt hinaus

Der IAQ-Report unterstreicht zudem, dass es einen Zusammenhang zwischen der künftigen Lebenserwartung ab 65 Jahren und den Arbeitsbelastungen in der Erwerbsphase, also vor dem Rentenalter gibt. „Sie ist niedriger bei sehr hohen Arbeitsbelastungen und höher bei niedrigen Arbeitsbelastungen während der Erwerbsphase“, so die IAQ-Wissenschaftler.

Hinsichtlich der Erwerbstätigkeit vermuten die Autoren, dass hohe körperliche und psychische Belastungen gesundheitliche Einschränkungen hervorrufen, die das Mortalitätsrisiko erhöhen. Nach den vorgelegten Ergebnissen der Auswertung haben Personen jenseits des 65. Lebensjahres, die sehr hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt waren, ein deutlich höheres Mortalitätsrisiko als Personen mit sehr niedrigen Arbeitsbelastungen.

Robuste Faktoren

„Die Wirkungen der Arbeitsbelastungen scheinen also auch über die Erwerbsphase hinaus fortzuwirken“, heißt es in den Studienunterlagen. Diese Wirkung der Erwerbstätigkeit bleibe auch unter Kontrolle zahlreicher weiterer Merkmale erhalten.

Zu diesen Effekten zählen die Wissenschaftler Faktoren wie Arbeitsbelastungen, Jahre in der Erwerbstätigkeit und die Dauer der Erwerbstätigkeit vor Rentenbezug. Als sogenannte „robuste Effekte“ nennen die Autoren das Geschlecht – Frauen haben ein niedrigeres Mortalitätsrisiko als Männer – und den selbst eingeschätzten oder überschätzten Gesundheitszustand.

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